Dachsanierung der St.Paulikirche 2017/18

Planmäßiger Start im April

Dank zahlreicher Spenden, einem gelungenen Fundraisingprojekt mit gestalteten Pauli-Dachziegeln in der Adventszeit sowie auch Dank der Zusagen öffentlicher Fördergelder konnte Mitte April 2017 die Dachsanierung an der Paulikirche mit dem für dieses Jahr vorgesehenen Abschnitt 1 (Hauptschiff) planmäßig beginnen.

Als erstes musste ein mehrstöckiges Gerüst errichtet werden, das sich über die gesamte Nord- und Südseite des Hauptschiffes jeweils bis zur Dachkante erstreckt. Ein Fahrstuhl an der Nordseite komplettiert das Gerüst, so dass Mitarbeiter und vor allem Werkzeug und Material problemlos den Dachbereich erreichen.

Der Haupteingang an der Südseite von St. Pauli ist trotzdem problemlos von der Ulricherstraße und der Paulistraße aus zugänglich. Ein von der Gerüstbaufirma hergestellter Pavillon vor dem Portal erlaubt weiterhin einen barrierefreien und gefahrlosen Zugang zur Kirche.


Gerüste und Fahrstuhl an der Nordseite

St.Pauli mit Foliendach

Eine unplanmäßige Entdeckung im Mai

Die eigentlichen Arbeiten begannen mit der Abdeckung des alten Ziegeldaches, das anschließend sofort mit einer wind- und regendichten Folie neu abgedeckt wurde, so dass während der weiteren Arbeiten keine Feuchtigkeit in den Dachbereich gelangen kann. Erst jetzt konnte der mittelalterliche Dachstuhl vollständig untersucht werden. Dabei wurden zusätzlich zu den bereits bekannten Schäden an Ständern, Sparren und Fußpunkten weitere erhebliche Schäden am Ständerwerk sichtbar: Abgerissene Verbindungen, gebrochene Balken, Feuchtigkeitsschäden. Um das weitere Vorgehen zu beraten, wurde vom leitenden Ingenieurbüro Schriek & Rohrberg am 8. Juni ein zweistündiger Ortstermin mit Fachleuten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Denkmalamt), des Landeskirchenamtes (Baureferat), der Denkmalbehörde Soest, des kreiskirchlichen Baureferats und der Zimmerei Müller angesetzt.

Expertenrunde am 8. Juni

„Wenn das hier ein Orgelprospekt wäre, dann würde hier jetzt eine internationale Kunstkommission stehen.“ stellte Dr. Kretzschmar vom Denkmalamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Münster bei der Expertenrunde am 8. Juni fest. Tatsächlich ist der Dachstuhl der Paulikirche eine Rarität und ausgesprochen kostbar: einerseits wegen seines hohen Alters – es handelt sich um einen der wenigen fast vollständig erhaltenen originalen Dachstühle aus dem 14. Jahrhundert in Norddeutschland -, andererseits wegen seiner hohen handwerklichen Qualität, und schließlich wegen seiner Größe. Der Pauli-Dachstuhl weist vier Etagen mit Querbalken auf (üblich waren sonst bis zu drei Etagen) und erhebt sich gut 13 m über dem Kirchgewölbe – eine beeindruckende Konstruktion, die aus der Sicht von Passanten freilich wegen des dichten Baumbestands um die Kirche kaum ins Auge fällt. In Art und Ausführung ist der Paulidachstuhl in der Region tatsächlich nur noch mit dem Dachstuhl der Wiesenkirche (ebenfalls 14. Jahrhundert) vergleichbar. Nicht umsonst wurde der Paulidachstuhl schon früher von Experten des LWL ausgiebig untersucht. Mit Hilfe dendrologischer Untersuchungen stellten sie das hohe, in die Erbauungszeit der Kirche zurückgehende Alter der verwendeten Balken fest. Was beweist, dass wir es noch heute in St. Pauli mit dem ursprünglichen Dachstuhl aus der Gotik zu tun haben.


Mittelalterliche Handwerkskunst von hoher Qualität und Haltbarkeit - der Pauli-Dachstuhl

Schadensbild: Gebrochener Balken

Nach zweistündigem Rundgang und genauer Inaugenscheinnahme des Dachstuhl zog die Expertenrunde ein Fazit: Die zusätzlich erkannten Schäden sind mit vertretbarem Aufwand im Rahmen der derzeitigen Dachsanierung zu reparieren. Entsprechende Kostenvoranschläge werden von der Zimmerei in Absprache mit dem leitenden Ingenieurbüro erstellt und dem Kreiskirchenamt eingereicht. Ziel der Sanierung ist, den Dachstuhl umfassend und zugleich schonend zu sanieren und dabei spätere Ergänzungen möglichst zu entfernen, so dass am Ende die ursprüngliche Konstruktion wieder klar sichtbar wird.

Um diesen besonderen Schatz der Paulikirche in Zukunft auch interessierten Besuchern und Gemeindegliedern bei Führungen zugänglich zu machen, ist geplant, im Zuge der Sanierung im Dachstuhl Stege und Beleuchtung nicht nur für Handwerker und Kontrolleure zu bauen, sondern auch für den Publikumsverkehr. Denn nur was man kennt, weiß man zu schätzen - und ist man gewillt, zu erhalten.


Fachgerecht restaurierter Fasspunkt an der Südseite

Ausbesserung eines mittelalterlichen Sparrens

Ausblick

Die Sanierungsarbeiten am Dach des Mittelschiffs können und sollen trotz des nun deutlich gewordenen Mehraufwandes in diesem Jahr planmäßig abgeschlossen werden. Allerdings werden die Arbeiten sich möglicherweise bis in den November hinein erstrecken. Einschränkungen bei der Nutzung von Kirche und Kolumbarium hat es bislang nicht gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben. Bislang war für den Abschnitt „Hauptschiff“ mit Kosten in Höhe von 550.000 Euro gerechnet worden (die für nächstes Jahr geplant Sanierung des Turmdachs wird dann noch einmal 400.000 Euro kosten). Der Eigenanteil der Kirchengemeinde am Abschnitt „Hauptschiff“ beträgt bislang 115.000 Euro. Der für eine vollständige Sanierung des Dachstuhl einzuplanende Mehraufwand bedeutet Mehrkosten in noch unbekannter Höhe, für die es keine zusätzlichen Fördermittel gibt. Das bedeutet, dass die Kirchengemeinde alle zusätzlichen Kosten selbst zu tragen hat. Darum an dieser Stelle die freundliche Bitte, die Gemeinde bei dem Erhalt des besonders wertvollen Baudenkmals Paulikirche durch eine diesbezügliche Spende zu unterstützen – jeder Betrag ist willkommen, denn jeder Betrag hilft! Spendenquittungen werden ab einer Höhe von 200,- Euro automatisch und sonst jederzeit auf Wunsch ausgestellt.

Dr. Christian Welck

Spendenkonto für Pauli-Dachsanierung:
Kontoinhaber: Ev. St. Petri-Pauli Kirchengemeinde Soest
IBAN: DE51 4145 0075 0000 0940 45
Zweck: Dachsanierung St. Paulikirche